Feuchtgebiete

Weil ich mir Frau Roches Geschreibsel nicht antun wollte, spielte es mir in die Hände, dass “Feuchtgebiete” verfilmt wurde. Damals, als der Hype um das Skandalbuch ausbrach, verschaffte ich mir mit ein paar Tonspuren des dazugehörigen Audiobooks Einblick in Helens scheußliche Welt voller Fäkalien und Körperflüssigkeiten. So ekelhaft war das Ganze dann auch wieder nicht.

Dann habe ich mir den Film also zusammen mit K**** und Captain Beefcake angesehen. Worüber ich mich im Endeffekt am meisten amüsieren konnte, waren seine Reaktionen auf blutende Analfissuren, vollgeschissene Krankenhausbetten, das Entfernen selbst gemachter Tampons mit Grillzangen und mit dem Ejakulat von vier Männern versehene Pizzen. Feuchtgebiete richtet sich meiner Ansicht nach an genau zwei Typen Mensch : pubertierende Mädchen im Alter von 14 bis 17 Jahren, die sich bei den ekelhaften Darstellungen wegkichern und die eingebaute Love-Story romantisch finden und 30+ Frauen, die ihre fragwürdige Verwegenheit inszenieren wollen und die Aufmerksamkeit ihrer Mitmenschen auf sich ziehen möchten, wenn sie davon erzählen, was sie nicht für einen unzüchtigen Film gesehen haben.

Jemand wie ich kann der Buchverfilmung somit wenig abgewinnen. Es geht nur darum, zu zeigen, wie abartig Helen sich verhält und hat man Charlotte Roches Werk nicht intus, erschließt sich einem kaum wie all die Zwangsneurosen der Protagonistin überhaupt zustande kamen.

“Feuchtgebiete” kann ich mit einem Wort zusammenfassen :

Mehr Filmkritik :

2 thoughts on “Feuchtgebiete

  1. Diese Ansicht (die vermutlich Mehrheit der Leute mit dir teilt: dass es nur um die Abartigkeiten der Protagonistin und Ekligkeiten geht, bzw. dass es ist erster Linie ein anstößiger Film für sensationsgeile Teenager & das Shades-of-Gray-Publikum ist) ist imho sehr eindimensional. Was genau wir in welchem Maße “eklig” finden, sagt auch etwas über unsere Gesellschaft aus (und ändert sich im Übrigen im Laufe der Zeit). Das ist ja auch eines der Dinge, die Roche oft kritisiert. Und dass es auch ganz stark um Familie(-nprobleme & den daraus folgenden psychischen “impact”) geht, sickert auch im Film durch, auch wenn vlt. etwas subtiler, als im Buch selbst. Ist ja alles eine Frage der Perspektive. Nicht zuletzt ist der Streifen sicher auch mit einem lachenden Auge zu genießen.

    Ich finde ich es einfach nicht richtig, das ganze auf ein “Skandalbuch” zu reduzieren, und sich nur auf das Naheliegendste/Oberflächliche zu versteifen, wo’s auch um ganz andere Themen geht.

    Nebenbei, O-Ton Frau Roche: “Wer denkt: Krass, der Film, der ist bestimmt voll provokant, das ziehen wir uns jetzt rein, der hat nichts kapiert. Das Thema ist viel größer.”

    • Ich weiß jetzt nicht, ob ich mich angegriffen fühlen soll.

      Die Intention hinter meinem Artikel war, distanziert und neutral zu bleiben, (abgesehen von “Es geht nur darum, zu zeigen, wie abartig Helen sich verhält …”, das ist sehr pauschalisierend, muss ich mir eingestehen) was mir offensichtlich nicht gelungen ist. Außerdem habe ich die dritte Zielgruppe ausgelassen, zu der wohl die Menschen gehören, die deine Ansicht teilen und an der Geschichte eines Mädchens, die die personifizierte Provokation einer Gesellschaft darstellt, die ihre Kinder zu verklemmten, psychisch verkommenen Arbeitstieren macht, interessiert sind.

      Es sei dir herzlichst für deinen Kommentar gedankt, ich werde in den nächsten Tagen an einer Ergänzung dieser “Rezension” schreiben.

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