Saturday Night Fever

Solche Videos gehören ja eigentlich in die Fundstücke. Zwar bieten sie auch ohne Kontext großen Unterhaltungswert, doch was wäre das für ein Blog, wenn ich immer nur Bilder, Links und Videos in meine Postings einbinde ?

Sollte einer von euch nicht wissen, was das außer einem 70er Jahre-Schinken sein soll, liest jetzt bitte weiter. Kenner überspringen die beiden folgenden Absätze.

Betrunkene Halbstarke Burschen, die sich in Szene setzen und ihre tiefen, abgedroschenen Anmachsprüche wie “Heast Schnitte, brauchst a Füllung ?”* zum Besten geben und spärlich bekleidete, solariumverbrannte Make-up-maskierte Mädchen, wie man sie sonst auf dem Babystrich vorfinden würde, mit vom vielen Glätten davonbröselnden, chlorgebleichtem Haupthaar und bis zur Unkenntlichkeit weggezupften Augenbrauen werden wie im Zirkus vorgeführt während sie sich einen Augenblick Ruhm erhoffen. Vergebens.

ATV hat bereits 2003 mit Die Lugners das österreichische Reality-TV revolutioniert und mit Saturday Night Fever ein für das Alpenland vollkommen neues Format geschaffen. Der Sender hält nämlich genau dann mit der Kamera drauf, wenn wir uns alle beschämt wegdrehen oder sogar fluchtartig die Diskothek verlassen.

Die beiden Videos zeigen Tara, eine der traurigen Gestalten, die durch ihr grenzdebiles und nymphomanes Auftreten besonders viel Aufsehen erregte und ATV witterte auch gleich die Chance auf einen neuen Tanzbären. Die mitterweile 20-jährige unterschrieb und ließ ein Kamerateam bei ihrer gesponserten Brustvergrößerung mitfilmen, zum Schluss bekam sie sogar eine eigene Sendung.

Ob ihr in Fremdscham versinkt, euch über die Dummheit und Naivität der Mädels amüsiert oder ihnen einfach nur mit Verachtung begegnet, ist ganz euch überlassen. Doch jetzt genug der Hasstiraden und Vorurteile, deshalb bin ich heute nicht hergekommen.
Die Fragen, die sich mir gestellt hatten, waren “Wer sieht sich so etwas freiwillig an ?”, “Wie kann diese Reality-Soap so erfolgreich sein ?”, “Was tut sich im Inneren der Jugendlichen, die sich vor laufender Kamera aus freien Zügen blamieren ?” Unlängst las ich mir einen ausführlichen Artikel zur Sendung durch, der diese Fragen weitestgehend beantwortet. Demnach können sich viele junge Menschen mit dem, was die Flimmerkiste in regelmäßigen Abständen zeigt, identifizieren, da sie vermutlich genau so exzessiv “Party” machen. Für sie ist es wie ein Erlebnisbericht von Freunden. Im Fernsehen.

Die angemieteten Laiendarsteller hingegen wollen Ansehen, Beachtung und ihren Coolness-Faktor im Bekanntenkreis erhöhen, wofür sie bereit sind, die peinlichsten Dinge zu tun und tiefe Einblicke in ihr Privatleben zu gewähren.

Ob die Mädchen die Sache mit der Regenbogenmaschine ernst meinen, weiß wohl niemand so genau.

*zu Deutsch : “Hörst du, Schnitte, brauchst du eine Füllung ?”

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Veggieplanet Salzburg – Ein Nachtrag

Zum Zeitpunkt des Verfassens des folgenden Textes war ich enttäuscht, zynisch und angriffslustig, deshalb habe ich mich bewusst dazu entschlossen, noch abzuwarten, bevor ich den Erlebnisbericht online stelle. In Wirklichkeit vergaß ich darauf.

Die Zeit, die inzwischen verstrichen ist, hat eine objektivierende Distanz zwischen mir und besagtem Tag auf der Messe geschaffen, trotzdem lasse ich das Niedergeschriebene unverändert und mache nur im Vorhinein ein paar Anmerkungen, die ihm hoffentlich die Härte und den Wind aus den Segeln nehmen.

Nach der riesigen Biofach in Nürnberg hatte ich wohl zu hohe Erwartungen an die Veggie Planet gesetzt und daran zu denken, was für ein Aufwand hinter ihr steckt und was es für ein enormer Fortschritt ist, dass überhaupt eine vegane Messe in Österreich veranstaltet wird, wo es vor einigen Jahren nicht einmal Tofu im Supermarkt zu kaufen gab, von einer Produktpalette, ausgerichtet auf tierleidfreie/eindämmende Ernährung ganz zu schweigen, wäre mir damals, in meinem Groll sicherlich nicht in den Sinn gekommen.

Es steckt viel Potenzial in diesem Event, das in den nächsten Jahren sicherlich mehr genutzt wird und vielleicht haben wir schon bald eine ganze Halle der Messe Wien voll mit Vegan-Content . Ohne Eso-Schwurbeleien.

Frau Weltmacht auf der Veggie Planet Salzburg (16.-17.3.2013)

Dieses Wochenende wurde einmal wieder unter Beweis gestellt, was sich alles “Messe” nennen darf. Es geht um die Veggie Planet, die gleichzeitig mit der Paracelsus-Gesundheitsmesse in Salzburg stattfand.

Nachdem man stolze 12 Euro für ein Tagesticket hingeblättert hat, erhascht man auf dem Weg zur kostenfreien, auf geschätzte zehn Besucher eingestellten Garderobe, einen kleinen Blick auf die Ausstellungshalle. Dieser reicht beinahe aus, um alles gesehen zu haben. Wer sich nun traut, zwischen den offenbar nach dem Feng Shui der Eichhörnchen angeordneten Ständen umherzuwandern, darf sich zwar zahlreicher Kostproben erfreuen, doch die großen Novitäten blieben aus. Die EsoterikGesundheitsabteilung gleicht einem einzigen Kuriositätenkabinett.

Menschen werden von einem selbsternannten indischen Priester brutalst zusammengeschlagen, das aktiviert die Selbstheilungskräfte. Tut es auch, spätestens, wenn der Gips drauf ist. Magische Pendel, Lustige Anhängerchen, ätherische Wunderessenzen und dergleichen werden zu astronomischen Preisen an die Glaubensanhänger gebracht. Denn wer will denn nicht die Erleuchtung finden, unsterblich werden, Superkräfte erlangen oder endlich all die verlorenen Socken in der Waschmaschine finden ?

Mit Microsoft Word erstellte Infobroschüren, geschrieben in der allseits beliebten Font “Comic Sans MS“, die nur so vor verpixelten Stock-Bildern strotzen, liegen in millionenfacher Auflage auf den Tischen und warten darauf von leicht Manipulierbaren gelesen zu werden, in der Hoffnung, dass man die Workshops und Kurse bucht, die den nächsten Thailand-Aufenthalt der Scharlatane finanzieren. Das einzig Tröstende war die Tatsache, dass weder versucht wurde, einem was aufzuschwatzen, noch zwang man uns zu bleiben. Vielleicht lag es auch an unserer AuraAusstrahlung und an den ablehnenden Schwingungen, die von meiner Wenigkeit ausgingen.

Jetzt habe ich noch kein Wort über die Pflanzenmesse verloren. Nachdem wir ein paar Aussteller passiert hatten, standen wir auch schon beim Vortragsplätzchen. Für eine richtige Bühne hat wohl das Budget nicht gereicht. Da sprang einem auch schon die Vortragende, die während der Rede ihr Kind stillte, ins Auge. Chapeau !

In die Showküche stellte man die wortgewandte Heather Mills. Nach den Sätzen “Now we need some Knoblauch” und “Roasting the Knoblauch until it turns translucent” fiel es ihr wieder ein und sie addete schließlich the garlic. Alexander bekam nach der Aufregung Hunger und zeigte sich mir mit meinen Bananen gegenüber solidarisch und besorgte sich ebenfalls Essbares. Seine Wahl fiel auf einen veganen Fünf-Euro-Döner bei Makam. Nachdem er zu zwei Dritteln fertig war, fand er endlich die Seitan-Füllung, die sich, wenig, wie sie war, im hintersten Eckchen versteckt hatte. “So viel wie reingeht” ließ er beim Ordern anmerken.

Nach diesem einstündigen Aufenthalt verließen wir die Messe. Fest entschlossen, nie wieder zu kommen. Statt weiter kostbare Zeit zu vergeuden, begannen wir, quer durch Salzburg zu laufen, Berge zu erklimmen, Parkhäuser zu besichtigen, Tee zu trinken, Toiletten aufzusuchen, in die Salzach zu schauen und trotz Kamera im Gepäck, kein einziges Foto von der kleinen Stadt im verschneiten Gebirge zu machen.

veggieplanetsalzburg2013

Frau Weltmacht auf der BioFach Nürnberg

Das Hotel war dank VerdummungsmaschineNavigationsgerät schnell gefunden. Als gelernter Veganer gleich mal nach Sojamilch gefragt und über die Antwort mehr als erstaunt gewesen. “Aber natürlich haben wir Sojamilch, vor allem jetzt, wo die BioFach stattfindet !”.
Eine Sorge weniger.

Michael und ich ließen den Abend mit einem Spaziergang durch die Nürnberger Innenstadt und im Kaffee Klatsch, das mit seinem 50er/60er Jahre-Flair besticht, ausklingen. Auch das Rotlichtviertel durchstreiften wir mehr oder weniger unfreiwillig.
Nachts fiel ich nach einer angefangenen Munchkin-Runde (ich erinnere mich, auf Level 3 aufgestiegen zu sein) regelrecht ins Bett.

Zum Frühstück bahrte man uns neben Nürnberger Würstchen, Rührei und Mettwurst auch die versprochene Karaffe Sojamilch, frisches Obst und Gemüse sowie Sojaflocken und reichlich Gebäck auf. Eine Stunde und vier Tassen Kaffee später ging es dann mit der U11, die direkt am Messe-Hotel entlangläuft, zur BioFach 2013.

Es erwarteten uns acht gut gefüllte Messehallen. National und international, die Schwerpunkte lagen auf Lebensmittel und Verpackung, wie sich später herausstellen sollte und mit Samples ging man sparsam um.
Das wunderte mich, denn, wäre ich ein Großhändler, interessierte mich, wie die Produkte, die ich an den Kunden bringe, schmecken. Gut, hier spricht auch der Schnorrer in mir, trotzdem leuchtet es ein, dass man probiert, ehe man Lieferverträge unterschreibt.

Wirklich relevant für uns war nur etwa einer von zehn Ausstellern. Trotzdem sind wir von 9h bis 16h durch die Hallen gewandert. Viel gesehen, viel gelogen, viel gekostet. Was soll ich sagen, ich war fertig.

Tag Nummer zwei ging ich ein weiteres Mal mit vier oder fünf Tassen Kaffee an.
Ich blieb dieses Mal nur bis Mittag auf der BioFach, den Rest der Zeit bis 16 Uhr, wo wir wieder in die Stadt aufbrachen, verbrachte ich damit, zu schlafen und Zahnseide zu kaufen.

Weil ich es mir notiert hatte und in der Nähe des Kaffee Klatsch, wo im Gegensatz zu letztem Mal einen Tisch reserviert hatten, damit wir nicht mehr an der Theke sitzen mussten, machten wir noch einen Sprung zum Asia Food-Center in der Fürther Straße 40. Bitte >nicht< aufsuchen. Es ist schäbig und hat außer ein paar alten Lebensmitteln aus dem Orient rein gar nichts zu bieten. An diesem Abend gewann ich die Munchkin-Runde. Michael half mir, die laufende Nase zu besiegen und schnitt sich somit ins eigene Fleisch.

Wer sich nun fragt, wo die Fotos sind, den muss ich enttäuschen. Auf der Messe waren für Nicht-Reporter nur Handyfotos erlaubt, so ließ ich die Kamera im Hotelzimmer und nahm sie auch nicht auf die Streifzüge durch die Altstadt mit. Aber im Internet finden sich genug Bilder von Nürnberg, für diejenigen, die es interessiert, wie die Stadt aussieht.

Wartet, ein Bild habe ich. Es zeigt, welche Süßigkeiten in Riegelform ich während meinem Aufenthalt in Deutschland verputzt habe. Ich mag es, Verpackungen besonderer Sachen aufzuheben.

nurnbergsweets

Zurück aus : Kärnten/Lavanttal – Ein Reisebericht

Um euch ein Dilemma, wie wir es bei meinem letzten Urlaubsaufenthalt hatten, zu ersparen, habe ich ein neues “Frau Weltmacht berichtet von heiligen Tagen”-Konzept entworfen. Es baut sich folgendermaßen auf :

  1. Der klassische Kram von wegen “Da waren wir …”, “So war das Wetter …” “Dort sind wir überall hin …” “Das habe ich gegessen …” “So viele Zotteln hatte der Teppich auf meiner Bettseite …”
  2. Kreisdiagramme : yes, you heard me right
  3. Mitbringsel
  4. Nervige, langweilige Urlaubsfotos

***

Erstens

Ort : Milchstraße – Erde – Europa – Kärnten – Lavanttal – Berg – Ferienwohnung

Wetter : Um Rammstein zu zitieren : Eins … hier kommt die Sonne, Zwei … hier kommt die Sonne … Drei … sie ist der hellste Stern von allen …

Sightseeing : Berg, Berg, Berg, Keltenwelt, Schlucht mit Wasserfällen, Berg, Berg, Berg, Supermarkt, Berg, Berg, Autoinnenleben, Berg

Ernährung : Obst, Gemüse, Reiswaffeln, Müsli, Körndlbrot, der obligatorische Urlaubs-Tofu

Zotteln : 163 Stück

***WERBEPAUSE***

Zweitens

Die Aktivitäten beziehen sich auf die Zeit von 7 Uhr morgens bis 23h am Abend.

***WERBEPAUSE***

Drittens

  • Sonnenbrand
  • Kopf voll schlechter Musik (bringt mal eine starrköpfige Mutter, die nicht mit sich – oder mir – alleine sein kann, dazu, das Radio abzustellen, wenn nicht gerade relevante Nachrichten erstattet werden)
  • schlechtes Gewissen wegen CO2-Emissionenn
  • Bücher. Vier Stück um 1,60€ vom Bücherflohmarkt. Ein Glückstreffer. Darunter Sophies Welt.

***WERBEPAUSE***

Viertens